Projekt des Monats Dezember 2009

Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe - Melkroboter rund um die Uhr im Einsatz

Kuh vor der Melkbox (Foto: MLUV Fotoarchiv)Neues Fenster: Bild vergrößernKuh vor der Melkbox (Foto: MLUV Fotoarchiv) Im uckermärkischen Zollchow hatte Familie Paulsen 1991 ihren landwirtschaftlichen Betrieb gegründet und die Milchviehanlage einer ehemaligen LPG Tierproduktion übernommen. Unweit des Unteruckersees bewirtschaften Hans Jürgen Paulsen mit seiner Frau, drei weiteren Beschäftigten sowie zwei Auszubildenden 370 ha Acker und Grünland. Etabliert wurde ein weithin anerkannter Milchproduktionsbetrieb mit etwa 280 Milchkühen und etwa ebenso vielen Kälbern und Jungrindern. Mehrfach wurden hervorragende Zuchterfolge eingeheimst. Mit dem Herdendurchschnitt von über 10.200 kg/Kuh im Jahr liegt der Betrieb in der Spitzengruppe des Landes.

Futtermischwagen (Foto: MUGV:Fotoarchiv)Neues Fenster: Bild vergrößernFuttermischwagen (Foto: MUGV:Fotoarchiv) Die in den letzten Jahren im Betrieb erreichte Effizienz der Milchproduktion ermöglicht auch in den Zeiten des Milchpreisverfalls vorausschauendes Denken. Nachdem bereits in den 90er Jahren in die alten Stallanlagen investiert und die betriebliche Milchquote aufgestockt wurde, konnten neue Stallplätze geschaffen und die Silofläche erweitert werden. In all diesen Jahren stützt sich Familie Paulsen auf die beratende Unterstützung der NBS Bauernsiedlung - Außenstelle Prenzlau sowie der InvestitionsBank des Landes Brandenburg, die über die Hausbank die Bereitstellung und Nachweisführung der Fördermittel absichert.

Von 2008 bis 2010 werden nun in der Milchviehanlage mit Hilfe des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) neue Haltungs-, Melk- und Fütterungsverfahren eingeführt.

  • Ein 2006 gebauter Milchviehstall wurde 2008 ums Doppelte erweitert. Gleichzeitig wurde ein zusätzlicher Futtertisch mit Lauf- und Fressgängen angelegt, um so das Tier-Fressplatz-Verhältnis zu optimieren. Angeschafft wurde außerdem ein Kälbertränkautomat.
  • Ein neues Fahrsilo wurde errichtet, um für den gewachsenen Tierbestand vor Ort eine ausreichende, umweltgerechte Lagerung mit wirtschaftseigenem Futter zu ermöglichen.
  • Ein selbst fahrender Futtermischwagen garantiert eine bessere und exakter dosierte Mischqualität, eine saubere Anschnittfläche am Fahrsilo und ein schnelleres Füttern. Im Gegensatz zum alten, vom Traktor gezogenen Futterwagen, der von einem Radlader beladen wurde, konnte nun auch der Treibstoffverbrauch erheblich gesenkt werden. Da nur ein Motor erforderlich ist, wird die Umwelt geschont.
  • Zukünftig soll noch die Güllelagerung um etwa 2.500 m³ erweitert werden, um umweltgerechter die Gülle lagern und ausbringen zu können.
  • Der Clou sind der Melkroboter und seine Maschineneinheit samt voll integriertem Steuerungs- und Überwachungsprogramm für jede einzelne Kuh und die gesamte Herde.

Ein im Autobau bewährter robuster Roboterarm setzt rund um die Uhr abwechselnd zwei Melkzeuge an. Die Kühe "marschieren" selbst zwei- bis viermal täglich in zwei Melkboxen, werden registriert und erhalten hier Kraftfutter. Der Roboterarm reinigt das Euter, übernimmt das Vormelken und setzt das Melkzeug an. Nach jedem Melkvorgang werden am Roboterarm der Vormelkbecher und der Scannerkopf sowie die Melkzeuge gewaschen. Ohne zu ermüden kann pro Tag 270- bis 320mal gemolken werden.

Ein computergestütztes Managementprogramm setzt dem Ganzen die Krone auf. Herr Paulsen kann auf dem Monitor Aktivität, Futteraufnahme und Leistungsniveau aller Tiere beobachten. Entzündungen am Euter werden festgestellt. Unnormale Milch wird ausgesondert. Anhand der ermittelten Bewegungsmuster der Kuh ist eine optimale Brunstkontrolle möglich, um den besten Besamungszeitpunkt anzuzeigen.