Projekt des Monats Oktober 2009

Erhaltung des natürlichen Erbes - Biodiversität und Energieholz

Verbuschte Sandheide in Heidehof-Golmberg (Foto: MLUV-Fotoarchiv)Neues Fenster: Bild vergrößernVerbuschte Sandheide in Heidehof-Golmberg (Foto: MLUV-Fotoarchiv) Klimawandel und Artenschutz verlangen die Minderung des Ausstoßes an Treibhausgasen und die Bewahrung der Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Die Energiewirtschaft muss stärker auf erneuerbare Ressourcen zugreifen können. Holz ist als Energieträger begehrt wie nie. Der Heißhunger auf Holz kann aber nachhaltig aus dem Wald allein nicht mehr gesättigt werden.

In den letzten Jahren sind auch in Brandenburg zahlreiche Naturschutzflächen der offenen Kulturlandschaft, also Heiden, Trockenhänge, Magerrasen oder Hecken von starkem Gehölzaufwuchs betroffen. Artenreiche Lebensräume verbuschen zunehmend.

Überalterte Baumhecken (Foto: MLUV-Fotoarchiv)Neues Fenster: Bild vergrößernÜberalterte Baumhecken (Foto: MLUV-Fotoarchiv) Die Naturstiftung David will mit dem bis ins Jahr 2013 hinreichenden Bund-Länder-Projekt "Biodiversität und Energieholz" einen Beitrag leisten, Klima- und Artenschutz miteinander zu verbinden. Man will in Brandenburg und Thüringen Wege aufzeigen und im Praxistest nachweisen, dass die Landschaftspflege mit der Energiegewinnung aus Biomasse sinnvoll verknüpft werden kann.

Mit Hilfe des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) soll in den Landkreisen Teltow-Fläming und Uckermark auf ca. 300 ha landwirtschaftlich nicht genutzten Naturschutzflächen durch Landschaftspflege Holz gewonnen werden. Der Gehölzaufwuchs soll auf Sand-Trockenrasen, Heckenkomplexen, Sandheiden und Binnendünen geerntet und für die energetische Verwertung in der Region bereitgestellt werden. Damit soll auf diesen Flächen der Lebensraum für eine artenreiche Fauna und Flora erhalten werden.

Es wurden sehr verschiedenartig geprägte Modellflächen in acht Natura-2000-Gebieten ausgewählt. Im Landkreis Uckermark handelt es sich um sieben oft nur schwer mit Technik zu erreichende Sand-Trockenrasengebiete und Heckenkomplexe im Nationalpark Unteres Odertal und im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Im Landkreis Teltow-Fläming werden die Untersuchungen auf der ehemaligen Militärfläche "Heidehof-Golmberg" erfolgen, die obendrein stark mit Munition belastet ist.

Auf diesen Flächen werden

  • praxisnah Ernte-, Hack- und Logistikverfahren erprobt,
  • gefährdete Offenland-Lebensraumtypen, die in den Natura 2000-Gebieten unter Schutz stehen, erhalten und
  • Vorschläge für nachfolgende Pflegemaßnahmen und die Energieholzgewinnung unterbreitet.

Darüber hinaus erfolgen mit großer Unterstützung des Bundesumweltministeriums und im engen Zusammenwirken mit den Naturschutzbehörden, forsttechnischen Ingenieurbüros, wissenschaftlichen Einrichtungen sowie mit den Technikherstellern eine

  • Berechnung des Biomassepotenzials,
  • Entwicklung effektiver Verfahrensketten und deren ökonomische Bilanzierung,
  • Sondierung von Munition mit Hilfe von Flugzeugen,
  • Analyse der Qualität der Hackschnitzel,
  • Technikfolgenabschätzung und Untersuchung der naturschutzfachlichen Effizienz,
  • Bilanzierung der Treibhausgase und
  • Projektbegleitende Informationsarbeit.

So sollen unter anderem folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie viel Holz lässt sich auf einer Heide oder einem brach gefallenen Trockenrasen gewinnen?
  • Welche technischen Verfahren sind auf den unterschiedlichen Flächen wirtschaftlich und hinsichtlich ihrer Ökobilanz vertretbar?
  • Welche Technik ist im Hanggelände oder bei der Beförderung von dornigem Schnittgut geeignet?
  • Wie kann der Transport zur Heiz- und Energienlage kostengünstig gestaltet werden?
  • Sollte man sofort vor Ort mit mobiler Technik das Holz schreddern oder erst einige Wochen später, wenn die Restfeuchte geringer ist?
  • Welchen Einfluss hat der Technikeinsatz in sensiblen Lebensräumen?
  • Können mit der Entnahme des Landschaftspflegeholzes die gefährdeten Lebensräume und Arten erhalten werden?