Projekt des Monats August 2009

Wildgenuss aus dem Fläming

Innenhof vor dem Umbau (Foto: MLUV-Fotoarchiv)Neues Fenster: Bild vergrößernInnenhof vor dem Umbau (Foto: MLUV-Fotoarchiv) Vor 20 Jahren stellte die Wende Jürgen Griebsch vor neue Herausforderungen. Im ehemaligen Betrieb gab es für ihn keine Zukunft. Also orientierte er sich zusammen mit einem Kollegen neu. In Niedersachsen fanden sie bei einem zukünftigen Geschäftspartner vertrauensvolle Unterstützung und gründeten 1991 in Treuenbrietzen den "Fläming-Wildhandel". Schrittweise "eroberten" sie das Vertrauen vieler Jäger und Wildannahmestellen in Brandenburg, aber auch in der Dübener Heide und in den Elbauen Sachsen-Anhalts.

In Treuenbrietzen wurde in einer, auf einem Hinterhof gelegenen, ehemaligen Fleischerei von Forstämtern und Jagdpächtern frisch erlegtes, einheimisches Wild wie Rehe, Hirsche, Wildschweine, Mufflon und Hasen aufgekauft. Das Wild wurde aus der Decke bzw. Schwarte geschlagen, zerlegt und zu küchenfertigen Wildprodukten wie Rücken, Keulen, Blätter, Rollbraten oder Gulasch verarbeitet. Vakuumverpackt wurden sie frisch oder gefrostet an den Großhandel, das weiterverarbeitende Ernährungsgewerbe oder direkt an die Gastronomie der Region und Berlins vermarktet.

Innenhof nach dem Umbau (Foto: MLUV-Fotoarchiv)Neues Fenster: Bild vergrößernInnenhof nach dem Umbau (Foto: MLUV-Fotoarchiv) Doch die Betriebsstätte in Treuenbrietzen platzte bald aus allen Nähten. Die aufgekaufte Menge an Wild stieg von 50 t im Jahr 1992 auf 180 t im Jahr 2008. Wild ist eine Saisonware, die sich an den Jagdzeiten orientiert. Die Sicherung einer hohen Qualität sowie fehlende Kühlmöglichkeiten in den Spitzenmonaten September bis Dezember erforderten eine Erweiterung und Erneuerung der Schlacht-, Verarbeitungs- und Lagertechnik. Auch den neuen EU-Hygienevorschriften hätte man zukünftig nicht mehr gerecht werden können.

Um der Zulassung als EU-Wildzerlegungsbetrieb auch künftig entsprechen zu können, bot sich eine Betriebsverlagerung in das benachbarte Bardenitz an. In diesem attraktiven Flämingdorf standen auf dem Vier-Seiten-Hof der Familie Griebsch ungenutzte Stallgebäude. Hier war ausreichend Platz vorhanden.

Auf der Grundlage der bisher gesammelten Erfahrungen bei der Gestaltung der technologischen Abläufe und mit Unterstützung eines Beratungsunternehmens wurde ein Konzept zur Betriebserweiterung erarbeitet. Tatkräftig wurde die Vorbereitung vom zuständigen Referenten des Landwirtschaftsministeriums und von der Agrarabteilung der InvestitionsBank des Landes Brandenburg unterstützt, welche zügig die Förderunterlagen überprüfte und im Juli 2008 den Zuwendungsbescheid erteilte. Mit dem Um- und Ausbau wurden überwiegend Firmen aus der Region beauftragt.

Inzwischen hatte auch der Sohn Jan Griebsch einen gut bezahlten Job in Potsdam aufgegeben. Vater und Sohn betreiben nun gemeinsam eine GbR. Die Sicherung der Nachfolge in der Unternehmensführung war ein wichtiger Bonuspunkt für die Kapitalbereitstellung der Bank.

Mit Hilfe des ELER, dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, konnte das Unternehmen komplett im alten Bauernhof angesiedelt werden.

Für Familie Griebsch und die Beschäftigten des "Fläming - Wildhandel" erfüllte sich ein Traum. Nach dem Umbau ehemaliger Ställe und Bau einer neuen Zufahrt für die Wildtierannahme, der Anschaffung von modernen Maschinen, Transportbahnen und Kühleinrichtungen ist man nunmehr in der Lage, noch mehr hochwertige Wildbreterzeugnisse herzustellen.

Es wurden Arbeits-, Kühl-, Sanitär-, Umkleide- und Pausenräume eingerichtet, die konsequent die veterinär-hygienischen Ansprüche (Schwarz-Weiß-Prinzip) gewährleisten. Früher Zerlegung, Kommissionierung und Lagerung in beengten Räumen, veraltete Sanitärbereiche, schweres Tragen über den Hof - jetzt alles unter einem Dach. Vorhanden sind nun ein Zerlegungs- und ein Kommissionierungsraum, Rohrbahnanlagen sowie ausreichend dimensionierte Kühlräume für die Wildannahme, die Lagerung zerlegter Wildteile und der auszuliefernden Waren.

In einem freundlichen Hofladen können Kunden direkt einkaufen, Gastronomen beraten und Großkunden das Sortiment vorgestellt werden.

Neben den beiden mitarbeitenden Betriebsinhabern konnten fünf Dauerarbeitsplätze geschaffen werden.